zurück Wahlkampf ohne Kommunikationsbarrieren

 

kobinet-nachrichten vom 16.08.2002

Der Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Niedersachsen e.V. im Deutschen Schwerhörigenbund e.V. (DSB) hat sich mit einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder für einen Wahlkampf ohne Barrieren stark gemacht.

«In der Vergangenheit waren schwerhörige und ertaubte Menschen bei Wahlkampfveranstaltungen mangels geeigneter Kommunikationshilfen daran gehindert, ihr Grundrecht auf Information wahrzunehmen, was wir als eine zwar unbeabsichtigte, in seiner Auswirkung aber massive und unerträgliche Diskriminierung ansehen. Es ist nicht länger für hinnehmbar, dass die ca. 13,3 Millionen Hörgeschädigten in Deutschland bei einem Bundestagswahlkampf ihres Grundrechts auf freie Information beraubt werden. Auch für Hörgeschädigte gilt schließlich das Grundgesetz mit seinem Benachteiligungsverbot», so Rolf Erdmann.

Wahlreden der Bundestagskandidaten, die mit Lautsprechern übertragen werden, sind für hörgeschädigte Menschen - egal, ob schwerhörig, ertaubt oder gehörlos - nicht zu verstehen. Es sind für sie zusätzliche geeignete Kommunikationshilfen bei Wahlkampfveranstaltungen erforderlich, damit sie sich über die Ziele der Wahlredner informieren können.

Der Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Niedersachsen e.V. bittet daher die SPD, bei ihren Wahlkampfveranstaltungen auf Bundesebene an hörgeschädigte Menschen zu denken und Kommunikationsbarrieren zu vermeiden bzw. abzubauen.

«Folgende Kommunikationshilfen halten wir zur Wahrung des Informationsrechtes hörgeschädigter Menschen bei der bevorstehenden heißen Phase des Wahlkampfes für geeignet und erforderlich:

Da alle Hörgeschädigten lesen können, ist es am einfachsten, wenn sie das Gesprochene mitlesen können. Daher ist ein Schreibdolmetscher notwendig, der die Reden mitschreibt. Dies kann durch Eintippen in einen Laptop in Verbindung mit einem Beamer erfolgen, ist aber auch handschriftlich mit einem Overheadprojektor möglich.

Noch einfacher ist es, wenn die fertigen Reden auf Diskette oder auf Folie kopiert vorliegen. Zusätzlich ist eine etwas abgedunkelte Leinwand erforderlich.

Für schwerhörige Menschen mit Hörgeräten könnten zusätzlich auch technische Übertragungshilfen (Induktionsanlagen, FM-Anlagen) eingesetzt werden.

Darüber hinaus sind für gehörlose Menschen (etwa 1% aller Hörgeschädigten) Gebärdensprachdolmetscher notwendig.
Für schwerhörige und ertaubte Menschen stellt der Einsatz eines Gebärdensprachdolmetschers keinerlei Hilfestellung dar, da sie in der Regel keine Gebärden beherrschen. Schwerhörige und Ertaubte stellen ca. 99% aller Hörgeschädigten», so Erdmann.

Zusätzlich sei es zwingend erforderlich, dass in den Tageszeitungen auf den Einsatz von Hilfen für hörgeschädigte Menschen hingewiesen wird, denn sonst kommen keine Betroffenen - sie sind es nämlich gewohnt, dass ihre Kommunikationsbedürfnisse bei derartigen Gelegenheiten unberücksichtigt bleiben.

Der Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Niedersachsen e.V. als auch der in Berlin ansässige Bundesverband Deutscher Schwerhörigenbund e.V. (DSB) ist im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Hilfestellung bereit und hofft sehr, dass sich hörgeschädigte Menschen in diesem Wahlkampf erstmals persönlich über die Reden der Bundestagskandidaten informieren können.

kobinet-nachrichten
Ottmar Miles-Paul
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