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KULTUR: Bücher

zurück zur Übersicht Ursula Horsch und Sascha Bischoff (Hrsg.)

Bildung im Dialog.

Heidelberg: Median-Verlag von Killisch-Horn GmbH 2008.
352 S., Ill. ISBN 978-3-922766-96-4 Euro 19,80.

"Wenn Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen vom Lernenden durch Unterricht verändert werden sollen, dann ist dazu ein Gegenstand, ein Thema erforderlich."
Theorien des Unterrichts, 2005.

Im vorletzten DSBreport lasen wir über die Erprobung neuer Formen der Beschulung Hörgeschädigter. Es wurden Modelle des Bildungs- und Beratungszentrums Stegen bei Freiburg vorgestellt.

In dem nun vorliegenden Buch geht es grundsätzlich um "Bildung im Dialog". Der erste Teil des Buches arbeitet heraus, wie der Begriff Bildung im Lauf der Jahrhunderte insbesondere von Pädagogen und Philosophen gesehen wurde. Welche Kriterien machen das aus, was wir heute als Bildung bezeichnen? Wie können Eltern, wie kann ein Pädagoge einem Kind Beziehung im Kontext von Erziehung und Bildung erfahrbar machen? Denn ohne gegenseitige Zuwendung, ohne ein Miteinander, ohne einen Dialog kann nach heutiger Auffassung keine Bildung des Kindes stattfinden. Das beginnt sogar spätestens am ersten Lebenstag eines Kindes.

Es gibt ein Forschungsprojekt Dialogische Entwicklung bei Säuglingen, das Zusammenhänge zwischen Beziehungs-, Dialogentwicklung und frühen Bildungsprozessen sichtbar machen will. Eine wichtige Untersuchungsgruppe in diesem Projekt sind Eltern mit einem hörgeschädigten Kind. Wenn das Kind hören lernt und Sprache erwirbt, haben die Eltern und sonstige Pädagogen es zu begleiten. Je nach Entwicklungsstufe wird sich auch die Methodik des Dialogs verändern müssen. Das setzt Vertrauen der Pädagogen in ein mögliches Gelingen eines Dialoges voraus. Dies wiederum erfordert vor allem, dass beide "Partner" sich vertrauensvoll aufeinander einlassen können.

Zu den weiteren Voraussetzungen gehört vor allem Gespür für die Bedürfnisse des anderen, wie sehr schön im zweiten Teil des Buches dargelegt und auf die Formel einer "bewussten und gewollten Beziehung" gebracht ist. Zu diesem Ziel eines gelingenden Dialoges helfen zusätzlich verschiedene Bildungs- und Beziehungstheorien. So ist ein eigenes Kapitel im ersten Teil dem Thema "Bildung durch Erleben" gewidmet - z.B. indem Märchen (laut) gelesen, gespielt und hinterher durch Dialog auch theoretisch aufgearbeitet werden.

Ein weiteres Kapitel des ersten Teils zeigt Argumente und Überlegungen gehörloser Eltern auf, die sich für eine Cochlea-Implantation ihres Kindes entscheiden.

Der zweite Teil des Buches hat das Thema "Paradigmenwechsel in Fragen der Hörgeschädigtenpädagogik". Es ist übrigens schade, dass selbst in einer Überschrift Schreibfehler vorkommen. Ein Paradigma bedeutet allgemein gesehen einfach "Beispiel, Muster, Vorbild". Es geht also darum, wie die Hörgeschädigtenpädagogik alte Muster durch neue Modelle ersetzen muss. Es wird auch hier wieder Freiburg-Stegen vorgestellt wie ausführlicher im oben genannten Buch. Dann wird auf das gängige Vorurteil eingegangen, heute gebe es in unserer Gesellschaft keine Werte mehr. Das Kapitel stellt Betrachtungen zu universalen moralischen Prinzipien an, wie sie von den Vorbildern des Säuglings vorgelebt werden und zeigt auf, dass das sich ebenfalls paradigmatisch verändernde Menschenbild verantwortlich ist für eine solche Vorbildfunktion eines Pädagogen.

Das letzte Kapitel des zweiten Teils stellt dar, dass das ganze Leben hindurch das Zusammenspiel kognitiver, sensorischer und motorischer Fähigkeiten für die Aufrechterhaltung der Hör-Sprachfunktion von Bedeutung ist. Kognitive Fähigkeiten sind die Funktionen, die mit Wahrnehmung, Lernen, Erinnern und Denken zusammenhängen. Sensorische und motorische Fähigkeiten beziehen sich auf die Sinneseindrücke und die Funktionen der Sprechmuskulatur, Luftröhre usw. Wenn einer dieser Bereiche gestört ist, wirkt sich dies unweigerlich aus auf die Fähigkeit, sprachliche Zeichen zu empfangen und selbst zu sprechen.

Nach der Darstellung der Theorien geht es im dritten Teil des Buches um die Frage, wie diese in der Bildungspraxis umgesetzt werden können. Auch hier wird wieder auf Inklusion eingegangen, wie ich sie im letzten DSBreport schon ausführlich erläutert hatte.

Ein weiteres Kapitel befasst sich damit, dass Bildung im Dialog jeweils ein Ziel im Auge haben muss. Es muss ein Thema innerhalb des Dialoges geben, wie es das Motto dieser Buchbesprechung besagt. Ein solches Thema können Märchen sein, wie in Teil 1 ausgeführt oder z.B. ein künstlerisches Projekt. Wichtig ist, dass Kommunikation für jeden besteht und ein Miteinander in Partner- oder Gruppensitutationen. Gesprächsfähigkeit entwickelt sich weiter, wenn die Erfahrung des Einander-Zuhörens und Miteinander-Sprechens positiv ist.

Natürlich kommt es da auch zu unterschiedlichen Auffassungen, so dass der Schülerstreitschlichtung ein Kapitel gewidmet ist. Voraussetzung zu einer Umsetzung aller pädagogischen Erkenntnisse im schulischen Bereich ist, dass Lehramtsanwärter in dialogischer Handlungskompetenz geschult werden.

Daher ist dieses Buch gerade für Studierende der Hörgeschädigtenpädagogik ein umfassender Überblick über Voraussetzungen eines Dialoges im Bildungswesen. Aber auch Eltern, Erzieher, Sozialarbeiter, Pädagogen, Psychologen und Ärzte können aus dem Buch wichtige Erkenntnisse ziehen.

Irmgard Schauffler

Januar 2009