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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Hintergründe einer Hörschädigung

 

Die von einer gravierenden Schwerhörigkeit betroffenen Menschen sind eine der größten Gruppen unter den Menschen mit Behinderungen. Von den etwa 13,5 Millionen Menschen mit Hörschädigungen in Deutschland sind 1,2 Mio. Betroffene hochgradig schwerhörig oder sogar ertaubt. Obwohl diese Zahl das 15-fache der Gehörlosen beträgt, hat ihre Behinderung - im Gegensatz zu den Gehörlosen - in der Gesellschaft immer noch so gut wie keine Lobby.

Im Unterschied zu den Gehörlosen haben schwerhörige Menschen ihre Hörschädigung in aller Regel erst im Laufe ihres Lebens erworben - aufgrund von Krankheit, Unfällen oder durch erbliche Disposition. Bei Auftreten ihrer Hörschädigung haben sie sich einen hörenden Lebenskreis aufgebaut. Sie haben hörende Partner, hörende Freunde und ein hörendes Arbeits-, soziales und kulturelles Umfeld. Ein Verweis auf die Welt der Gebärdensprache und die Gemeinschaft der Gehörlosenkultur ist für sie daher keine sinnvolle Option.

 

"Nicht hören können
trennt von den Menschen."

(Immanuel Kant)

 

Schwerhörigkeit ist eine Behinderung, die wegen ihrer Unsichtbarkeit weitgehend unterschätzt wird. Die körperliche Unversehrtheit und die im Vergleich zu gehörlosen Menschen in der Regel gute Sprech- und Lesekompetenz erschweren Außenstehenden ein verstehendes und nachvollziehbares Einfühlen. Die Bedeutung des guten Hörens für die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ist weitgehend unbekannt. Selbst die Betroffenen sind sich über die Folgen ihrer Behinderung oft nicht im Klaren.

 

Trotz technischer Hilfsmittel bleiben schwerhörige Menschen in ihrer Kommunikation dauerhaft eingeschränkt. Wegen der Unsichtbarkeit ihrer Hörschädigung stoßen sie dabei in ihrem gewohnten Umfeld auf Unverständnis, Ungeduld und Ablehnung. Die fortgesetzten Missverständnisse und Hindernisse führen zu Frustrationen und zum Verstecken der Probleme. Isolierung und sozialer Rückzug folgen. Oft kommt es zum Verlust des Arbeitsplatzes.

 

Für ihre Inklusion in das Leben der Gemeinschaft benötigen hörgeschädigte Menschen mit lautsprachlicher Orientierung grundsätzlich andere Mittel als gehörlose Menschen. Sie erwarten Unterstützung bei der Wiedererlangung ihrer früher gewohnten Teilhabe am Leben in der hörenden Gemeinschaft. Hierzu gehören so unterschiedliche Mittel wie eine zugewandte, artikulierte Sprechweise, geeignete technische Höranlagen im öffentlichen Raum, optische Anzeigen alternativ zu Lautsprecherdurchsagen, optisch signalisierende Türsprech- und Alarmanlagen, Untertitel in Filmen oder Schriftdolmetscher zum Mitlesen statt Mithören