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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Ausgabe 02/2019

Liebe Leserinnen und Leser!


Heilige sind nach gutem katholischem Glaubensverständnis Menschen, die durch einen vorbildhaft christlichen Lebensstil aufgefallen sind und als besonders glaubensstark gelten. Heilige sind dabei aber keineswegs perfekte Menschen. lm Gegenteil: Von vielen Heiligen ist bekannt, dass sie in ihrem Leben durchaus „schwache Phasen” hatten. Von Mutter Theresa, der vielleicht bekanntesten Heiligen unserer Tage, wird gesagt, dass sie ihr Leben lang und bis zuletzt von starken Glaubenszweifeln geplagt gewesen sei. Und von anderen „großen Heiligen” ist bekannt, dass sie zeitweise ein nach allen Regeln der Kunst ausschweifendes Leben geführt haben. Gerade in diesen Grenzen, in ihrer Menschlichkeit, liegt die Kraft solcher Vorbilder.

Unsere säkulare Welt kennt keine Heiligen mehr. Zu aufgeklärt sind wir, haben uns angewöhnt, die Handlungen der Menschen von evolutionären Zwangsläufigkeiten und biophysikalischen Prozessen getrieben zu sehen. Wo bliebe da noch der Ort für freies Handeln und Vorbildfunktion? Und trotzdem ahnen wir, dass das abgeklärte wissenschaftliche Weltbild nicht das letzte Wort darüber ist, „was die Welt im Innersten zusammenhält. Man muss sich die Welt nur einmal mit offenen Augen ansehen.  Deshalb setzen sich immer wieder und unverändert ungezählte Menschen für andere ein. Opfern Energie, Freizeit und eigenes Vermögen, gegen alle materialistische Vernunft und philosophische Nutzenerwägungen, für Flüchtlinge, Menschen mit  Behinderungen, Randgruppen und Gestrauchelte.

Jahr für Jahr werden solche Menschen mit besonderen Auszeichnungen gewürdigt. Eine hohe Auszeichnung in diesem Zusammenhang ist das Bundesverdienstkreuz. Es wird für besondere Leistungen aufpolitischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen. Berufliche und ehrenamtliche Verdienste werden hier also ganz bewusst gemeinsam geehrt. Das ist auch gut so. Denn auch im Ehrenamt ist es richtig und wichtig, eigene Stärken und Begabungen einzubringen und so nicht nur Einsatz und Anstrengung, sondern auch Freude bei der Arbeit zu erfahren.

„Eine von uns” wurde im Januar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wir widmen ihrem Werdegang und Bewusstwerdungsprozess in diesem „Spektrum Hören” einen ausführlichen Artikel (ab Seite XX). Nicht, weil wir sie als Heilige feiern. Sondern weil wir aus ihrem Leben einiges lernen über Erfahrungen und Erkenntnisse von Menschen, die von klein an mit einer Hörschädigung leben müssen. Und wie aus einer starken Beeinträchtigung eine große Kraft wachsen kann.

Übrigens: In der Kirche gibt es noch einen anderen schönen Brauch: den Feiertag „Allerheiligen" Am 1. November wird all der Menschen gedacht, die als Heilige in Frage gekommen wären - wenn sie denn nicht „unentdeckt” geblieben wären. So geht es auch im Ehrenamt: Die Zahl derjenigen, die sich bürgerschaftlich ohne Frage nach dem eigenen Lohn und Vorteil für andere engagieren, ist tatsächlich
- unermesslich.

Mit herzlichen Grüßen
Dr. Norbert Böttges, Vizepräsident des DSB

Sozialpolitik/Recht/Bauen

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Das Angebot an unterschiedlichen Hörhilfen, rechtlichen Ansprüchen und vielem mehr ist nicht leicht zu durchschauen. Hilfreich sind dann die Beratungsstellen der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Speziell für hörbeeintrachtige Menschen sind die EUTB-Beratungsstellen des DSB eine gute Anlaufstelle. Hier finden Sie die aktuellen Anlaufstellen im Überblick.

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Viele notwendige und auch von der Politik gewollte Maßnahmen funktionieren nur durch den außergewöhnlichen Einsatz engagierter Bürger. Oft sind es Menschen, die selbst mit Einschränkungen leben, die sich in Gruppen und Organisationen der Selbsthilfe zusammenschließen und sich aus eigener Betroffenheit und Überzeugung für andere einsetzen. Eine von ihnen wurde am 15. Januar im Arnsberger Bürgerrathaus mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Lesen Sie im Folgenden mehr über den bemerkenswerten Lebenslauf von Susanne Schmidt.

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Seit rund einem Jahr arbeiten der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) und die Selbsthilfevereinigung Pro Retina Deutschland bundesweit auf verschiedenen Ebenen zusammen. Dass eine solche Zusammenarbeit schon länger informell funktioniert und erfolgreich beim Bohren dicker Bretter ist, zeigt der folgende Artikel. In ihm finden Sie auch interessante Hintergründe zur jüngsten Änderung der Hilfsmittelrichtlinie (siehe „Spektrum Hören“ 6/2018).

Teilhabe/Rehabilitation

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Irena Zurfluh-Müller hat in der Schweiz eine tolle Ideefür Menschen mit und ohne Hörbeeinträchtigungen realisiert: den Hör- und Erlebnisweg in Altdorf So ließ es sich unser Autor Adolf Becker bei einemfreundschaftlichen Besuch in der Schweiz nicht entgehen, diesen selbst einmal zu entdecken.

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