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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Ausgabe 04/2019

Liebe Leserinnen und Leser!

In meiner Tätigkeit in der unabhängigen Teilhabeberatung begegne ich vielen Menschen, die unter quälendem Tinnitus leiden. Die psychische Belastung dieser Menschen ist groß und nachhaltig. Der Tinnitus entziehtsich nach wie vor einer schlüssigen medizinischen Erklärung. Nach Abklärung einer Handvoll von letztlich sehr seltenen organischen Ursachen bleiben fürAnhänger einer evidenzbasierten Medizin eigentlich nurzwei Möglichkeiten: eine tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie oder - wenn, wie meist, gleichzeitig ein Hörverlust besteht eine Hörsystemversorgung. Was aber, wenn beide Methoden nicht wirken?

Medizinisch gilt man dann als austherapiert. Ist das also das Ende? Bei meiner Suche bin ich auf das 2018 erschienene Buch von Donja Stempfle gestoßen:„Vergiss den Tinnitusl” Sie beschreibt darin ihren ganz persönlichen Weg mit ihrem Tinnitus. Der beginnt klassisch mit dem Staffellauf durch die Praxen von Hausarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Kardiologen, Angiologen und Neurologen bis hin zum Orthopäden. Alle diese schulmedizinischen Abklärungen helfen ihr nicht. Fast schon aufgegeben, kommt die Wende für Donja Stempfle mit einem Hinweis auf Verspannungen der Kiefermuskulatur. Zunächst eine Zahnschiene, anschließend die Regulierung der Kieferstellung - diese beiden Maßnahmen brachten ihr nach ihrer Aussage die Halbierung ihres Tinnitus. Der Kieferbehandlung folgten weitere Maßnahmen: Darmsanierung, Ernährungsumstellung, Akupunktur, Osteopathie, Bewegung, Sport, Entspannung. „Der Tinnitus wurde Schritt für Schritt leiser. Er war dann teilweise weg. ."

Aus eigener, reicher Erfahrung mit vergleichbaren Therapieformen bin ich skeptisch geworden. Berichtet wird viel, fest versprochen schon deutlich weniger, die meisten Hoffnungen werden am Ende bitter enttäuscht. Trotzdem möchte und muss ich Donja Stempfle ihren Erfolg glauben. Was also ist ihr Geheimnis?

Es wäre zu schön, zu sagen: Macht es genauso. Fangt mit einerZahnschiene an, macht weiter mit einer Zahnaufpolsterung, lasst dann euren Darm sanieren und stellt eure Ernährung auf Gemüsekost um - anschließend ist der Tinnitus weg. Offenbar funktioniert das so aber nicht. Sonst wäre die Tinnitusleitlinie um eine dritte evidenzbasierte Methode reicher. Der Schlüssel muss woanders gefunden werden.

Möglicherweise liegt er ganz wesentlich in dem Entschluss: Jetzt helfe ich mir selbst. Ich mache mich eigenverantwortlich auf die Suche. Ich informiere mich, beobachte meinen Körper, beende Therapien, die offenbar eine Sackgasse sind, und führe fort, was mich nach vorne bringt.

Auf diese Weise setze ich mich mit meinem Ouälgeist auseinander. Ich lerne ihn kennen, irgendwann auch ihn anzuerkennen. Und finde Wege, mit ihm umzugehen. Ich lerne auch mich selbst besser kennen, meinen Körper, meine Psyche. Ich bin nicht mehr ausgeliefert. Ich beginne mich mit meinem Schicksal anzufreunden. Und irgendwann ist mein Gegenüber auf seine natürliche Größe zusammengeschrumpft.

lm Grunde sind das auch die Elemente einer aufTinnitus gerichteten Verhaltenstherapie. Und beiläufig lerne ich meine ganz eigenen, geeigneten Übungen, Reaktionen und Lebensweisen kennen, die mir helfen, mein Wohlbefinden insgesamtzu steigern. Vielleicht ist es das. Donja Stempfle hat dafür acht Jahre gebraucht.

Der Erfolg gibt ihr Recht.

Mit herzlichen Grüßen
Norbert Böttges

Sozialpolitik/Recht/Bauen

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Fragen und sind fast alle selbst von einer Hörschädigung betroffen. Die EUTB-Beratung wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

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