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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Ausgabe 05/2019

Liebe Leserinnen und Leser!

Mein diesjähriger Sommerurlaub führte mich nach Dänemark. Wie sich herausstellte, ist Kopenhagen die „europäische Hauptstadt des Jazzí'Jedes Jahr im Juli gibt es zehn Tage lang hunderte von Jazzkonzerten, in kleinen Cafés, großen Hallen und aufder Straße. Eine sympathische Art, sich einer Stadt zu nähern. So machten wir uns am zweiten Abend auf zum „Birgitte Soojin Trio'f „Trio” war mir wichtig. Denn kleine Besetzungen sind Balsam für meine hörgeschädigten Ohren. Unser Ziel entpuppte sich als Café. Dort wurden wir Teil eines intimen Konzertes mit Pianist, Bassist und Sängerin. Die Stücke kannte ich allesamt nicht. Eine besondere Herausforderung für hörgeschädigte Menschen. Aber die langsamen, sparsamen Arrangements machten mir Spaß. In meiner Vorstellung folgte ich dem Verlauf der Melodien, Soli und Einlagen. Konzentriert entspannt gelang mir das so gut, dass ich mir am Tag darauf auf YouTube weitere Stücke von Birgitte Soojin herunterlud, mit denen ich in den kommenden Tagen (per Streamer) mein ganz persönliches Hörtraining absolvierte.

Kopenhagen erwies sich aber auch als Stadt an der See. Ständig begleitete uns ein leichter Wind. Bei den hohen Temperaturen eigentlich angenehm. Für mich aber war der Wind ärgerlich. Denn bei unseren Wegen durch die Stadt machten mir die Windgeräusche meiner Cls so zu schaffen, dass an eine Kommunikation mit den Meinen nicht zu denken war. Ich erinnerte mich daran, dass mir meine neuen Prozessoren ein Programm mit Windgeräuschunterdrückung beschert haben. Und tatsächlich: Zwar brauchte das Programm ein paar Sekunden, bis es den Wind als Wind erkannt hat. Dann aber rückten das störende Tosen in den Hintergrund und die Sprache meiner Frau und Tochter so klar in den Vordergrund, dass ich vor lauter Faszination immer wieder zwischen den beiden Programmen hin- und herschalten musste. Seitdem ist mir klar: Eine solche Windgeräuschunterdrückung ist kein „Hörkomfort". Wer das meint, ist noch nie am Strand oder in den Bergen gewesen. Und fährt auch nicht Fahrrad. Siehe hierzu auch die Seiten 38 bis 40.

Die letzte Urlaubswoche verbrachten wir südlich von Kopenhagen an der Ostsee. Dort führte ein Steg 50 Meter in die See. Der reizte mich. Aber als ich die fünf Stufen zum Steg anstieg, fühlte ich eine Unsicherheit im Gleichgewicht. Würde ich nicht irgendwo ins Wasser fallen? Und gäbe es am Ende ein böses Erwachen, wenn ich mich zum Rückweg umdrehen musste? Da kam mir mein Rat an die in den Sinn, die mit Schwindel zu uns in die Beratung kommen und denen ich regelmäßig sage, dass man das Gleichgewicht ein Stück weit trainieren kann. Hier, am Steg, galt es jetzt die Probe aufs Exempel zu machen. Ich stellte mir den Steg vor geschlossenen Augen vor, das Wasser links und rechts, ging anfangs ganz vorsichtig, streng in der Mitte. Ich übte an Land, später täglich mehrmals auf dem Steg. Ich ging näher am Rand des Steges. Am Ende dachte ich mir den Steg einige Kilometer ins Wasser verlängert. Wie wäre das, wenn ich mich dort ganz am Ende umdrehte? Und tatsächlich: Die Unsicherheit verschwand. Es funktioniert!

Keine Angst: Dänemark hat noch mehr zu bieten. Aber als Hörgeschädigter begleiten mich solche Gedanken, Experimente und Erfahrungen auf meinen Reisen. Und - irgendwie ist auch das ein Abenteuer.

Mit herzlichen Grüßen
Norbert Böttges

Sozialpolitik/Recht/Bauen

  • Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages

Am 08.05.2019 vertrat RolfErdmann den Deutschen Schwerhörigenbund (DSB) in einem nicht öfientlichen Fachgespräch im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. Thema war der „Abbau von Zugangsbarrieren in der Gesundheitsversorgung“. Lesen Sie im Folgenden seinen Bericht: Wie kommt es zu einer solchen Anhörung? Wie gestalten sich Vorbereitung und Ablauf? Und was kommt dabei heraus?

  • Hörsystemversorgung: Patienten zufrieden - alles okay?

In einer Patientenbefragung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zur Hörhilfenversorgung äußerten sich jüngst über 80 Prozent der Teilnehmer zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Hörgeräteversorgung. Ein zunächst sehr erfreuliches Ergebnis. Während Hersteller und Hörakustiker sich durch diese Umfrage in ihrer Arbeit auch prompt bestätigt fühlen, fragt der Spitzenverband der Krankenkassen schon kritisch nach, warum mehr als zwei Drittel der Versicherten Mehrkosten für ihre Hörgeräte zahlen. Und der Berufsverband der HNO-Ärzte titelte seine Stellungnahme: „ 70 Prozent zahlen beim Hörakustiker oben drauf- Mehrkosten sind ein hausgemachtes Problem
der Krankenkassen. “

Neues aus den Verbänden

DSB-Onlineberatung

Der Deutsche Schwerhörigenbund e. V (DSB) hat sich vorgenommen, mit der Onlineberatung ein bundesweites Netzwerk aufzubauen. Diese Form der Beratung ist eine gute Ergänzung zum persönlichen Gespräch. Hier bekommen auch Menschen Zugang zu einer Beratung, die immobil sind oder in dörflichen Gemeinden leben.

  • Mittendrin - die HÖRMobil-Tour des DSB

Ayako Forchert ist neu im Team der HÖRMobil-Touir mit der der Deutsche Schwerhörigenbund e. V (DSB) Jahr für Jahr quer durch die Republik unterwegs ist. Im Folgenden schildert sie ihre Eindrücke und gibt Hinweise auf die Bedeutung dieses Angebotes.

  • DazuGEHÖRen: Selbsthilfetage 2019

Herzlich Willkommen in Hamburg! Sonnige Tage für den September kann ich Ihnen nicht garantieren, dafür aber ein ausgefülltes Programm der Selbsthilfetage unter dem Motto „Besser hören - mehr verstehen - leichter leben“. Diese finden statt vom 26. bis 29. September im Bachsaal des Gemeindehauses der Michaeliskirche („Michel“), Englische Planke 1, 20459 Hamburg.

  • Neues vom Zusammengehen von DSB und DCIG

Die ersten Gespräche zu einem Zusammenschluss von Deutschem Schwerhörigenbund (DSB) und Deutscher Cochlear Implant Gesellschaft (DCIG) liegen jetzt fast zwei Jahre zurück (siehe „Spektrum Hören“ 6/2017). Hier lesen Sie mehr zum aktuellen Stand der Gespräche.

Teilhabe/Rehabilitation

  • MRT-Ausweis für Cl-Träger bald da

Der 04. April 2019 könnte ein historisches Datum werden, jedenfallsfür die rasch wachsende Zahl von Cochlea-Implantat(CI)-Trägern, die aufgrund eines Unfalles, eines Tumorverdachtes oder einer anderen schweren Erkrankung eine Magnetresonanztomographie(MRT)-Untersuchung benötigen. Bislang gibt der Berufsverband der Radiologen (BDR) seinen 9 000 Mitgliedern die Empfehlung, bei Cl-Trägern keine solche Untersuchung durchzuführen - zu umständlich, zu gefährlich. Eine problematische Empfehlung, denn die Magnetresonanztomographie ist heutzutage das Mittel der Wahl bei vielen medizinischen Diagnosen.

  • Der letzte Schrei ist nicht immer der beste...

Die drahtlose Ankoppelung von Zubehör hat sich mittlerweile bei allen Herstellern von Hörsystemen und Cochlea-Implantaten (CI) durchgesetzt. Dabei geht es um die Verbesserung des Hörverständnisses beim Telefonieren, Fernsehen, bei der Musikwiedergabe oder bei Vorträgen, Fortbildungen und Freizeitveranstaltungen. Inzwischen herrscht ein munterer Wettstreit der technologien - bewährter Streamer; ein Made-for iPhone- oder lieber doch ein Made-for-All-Modell? Bei einigen Herstellern hat man sogar die Wahl zwischen verschiedenen Varianten. Entscheidungshilfe bietet ein Test der Computer-Zeitschrift c”t in ihrer Ausgabe 22/2018. Fazit: Manch scheinbar komfortable Lösung ist noch mit Nachteilen behaftet.

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