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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Ausgabe 05/2020

Liebe Leserinnen und Leser!

„Die aktuelle Situation” hat mich in diesem Jahr im Urlaub ins nahe Inland geführt. Genauer gesagt in den äußersten Westen der Republik, kurz vor Aachen, an den Rurstausee. Die Landschaft dort erinnerte mich in mancher Hinsicht an meine Fahrt vor Jahren entlang der norwegischen Küste mit dem Postschiff mitten durch die Lofoten und hinein in das Geiranger-Fjord. Dort hat der liebe Gott vor der Küste die Täler des alpinen Gebirges mit Meer volllaufen lassen, hier war es der Mensch, der die Täler des Mittelgebirges Eifel hat volllaufen lassen mit dem Wasser der Flüsse Urft und Rur und aller begleitenden Bäche.

Die Wassermengen, die aus Eifel und Hohem Venn stündlich herabfließen, variieren im Jahresverlauf in einem Verhältnis von eins zu hundert. Man kann sich vorstellen, dass das in den Tälern zu regelmäßigen Überflutungen ganzer Ortschaften geführt hat, unterbrochenen von Monaten der Trockenheit mit ausgetrockneten Flussbetten. Zu früheren Zeiten. Die technische und kulturelle Leistung unserer Groß-und Urgroßeltern, die 80 Meter hohe Stauwehre aufgerichtet und so dem Flusslauf eine erechenbare Regelmäßigkeit gegeben haben, hat mich sehr beeindruckt. Nebenbei erzeugen Wasserturbinen noch eine nette Menge Strom. Bei Google konnte ich herausfinden, dass es in Deutschland nach internationaler Zählung 311 solcher Stauseen gibt, kleinere und größere. Der an der Rur ist der zweitgrößte.

Für Reisende bieten Fjorde genauso wie ein solch langer Stausee die Möglichkeit einer überwirklich anmutenden Fahrt auf Augenhöhe mit dem Schiff quer durch die Berge. Auf Deck ist es windig, und einmal mehr war ich froh, dass ich die Windgeräuschunterdrückung meiner Cochlea-lmplantate (Cl) aktivieren konnte. So konnte ich auch die über Lautsprecher gegebenen Kommentare des Kapitäns gut verstehen - in unverkennbarem Aachener Tonfall...

Das kennen Sie auch: lrgendetwas vergisst man immer... Bei mir waren es diesmal die Ersatzbatterien für meine CI. Spätestens ab dem dritten Tag würde ich also „akustisch im Dunkeln stehen'í 675er-Batterien - dieses Kaliber bekommt man nicht im Drogeriemarkt und auch nicht in der hilfsweise angesteuerten Apotheke. Aber im Fachgeschäft. Kein Problem: ohne große Schwierigkeiten und einschließlich Routenführung zum Ziel fand ich den nächsten Hörakustiker heraus, in der nahen Kleinstadt S. Dort bot man mir die 675er wahlweise im 6er-Pack oder als Familiengroßpackung an. Für die kurze Zeit blieb ich beim 6er-Pack, es kostete zwei Euro.

Es entspann sich noch ein nettes Fachgespräch mit der Hörakustikerin über Hörgeräte, verschiedene Fabrikate und die Erfahrung, dass viele Hörgeräteträger nach einigen Jahren mit dem Klang ihrer Geräte so verheiratet sind, dass sie mit Geräten anderer Hersteller nicht mehrzurechtkommen. Der„Klang”-jenes No-Go-Reizwort, dessen Erwähnung regelmäßig zur Verweigerung von Mehrkosten führt, weil „subjektiv” und „Komfort". Man muss die Regeln kennen, will man sich nicht im lrrgarten der juristischen Argumentationen verlaufen.

Beim Verlassen des Geschäfts wurde mir bewusst, was es für ein Segen ist, dass es diese Menschen, diese Geschäfte gibt, die auch in der Fläche unserer Bundesländer eine ortsnahe und qualifizierte Hörversorgung bieten. Nicht jeder wohnt in einer Großstadt.

In diesem Sinne wünsche ich auch Ihnen neue Eindrücke in einer entspannten Sommerzeit!

Norbert Böttges

 

Sozialpolitik/Recht/Bauen

  • Slow lnclusion - Geschwindigkeit und Hektik verbannen

Uns Deutschen wird nachgesagt, dass wir, wenn wir etwas machen, es dann auch richtig machen. Dabei hat die „Big-Bang“-Methode schon lange Kritik und Alternativen gefunden: den „kontinuierlichen Verbesserungsprozess“ in der Industrie oder die „agileSoftware-Entwicklung“ in der IT. Oswald Ammon, Behindertenbeauftragter für den Landkreis Konstanz, propagiert sein ganz eigenes Modell der Inklusion: Slow Inclusion. Ihm geht es darum, „Geschwindigkeit und Alltagshektik aus der Einfiihrung der Inklusion zu verbannen. “

  • Berufsbedingter Mehrbedarf -gibt's den eigentlich noch?

Nachdem sich Krankenkassen und Rentenversicherung 2014 darauf verständigt haben, bei der Hörversorgung auch anspruchsvolle Hörsituationen im beruflichen Umfeld mit entsprechenden Hörsituationen des Alltags gleichzusetzen, landen Anträge auf beruflichen Mehrbedarfmit schöner Regelmäßigkeit in einer Sackgasse der Zuständigkeit von Renten- und Krankenversicherung (siehe Spektrum Hören 4/2020). Zwei jüngere Urteile deutscher Landessozialgerichte weisen Berufstätigen einen Weg, wie man aus dieser Sackgasse herauskommt.

Nues aus den Verbänden

  • DSB-Selbsthilfetage 2020 Umgang mit Hörschädigung ein Leben lang

Die Selbsthilfetage 2020 des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) erwarten Sie vom 09. bis 11. Oktober 2020 in Köln. Das Vortragsprogramm steht in diesem Jahr unter dem Thema „ Umgang mit Hörschädigung ein Leben lang“. Dazu gibt es eine Technik- und Reha-Ausstellung, am Samstag die Bundesversammlung des DSB und begleitend ein Kulturprogramm. Seien Sie dabei!

Teilhabe/Rehabilitation

  • Unterstützung mit Luft nach oben

Ein Großteil der Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit kann seiner beruflichen Tätigkeit weitestgehend uneingeschränkt nachgehen. Drei Viertel von ihnen weisen jedoch daraufhin, dass akustisch schwierige Hörsituationenfür sie eine besondere Herausforderung darstellen. Die Mehrheit fühlt sich insgesamt gut im Job integriert, ein Viertel der Befragten benennt aber eine zu wenig unterstützende Unternehmenskultur. Nur knapp die Hälfte der Befragtenfühlt sich ausreichend zum Thema „Hörbeeinträchtigung und Beruf“ informiert. Dies sind zentrale Ergebnisse der Online-Umfrage „Mit Hörschädigung im Job“ von REHADAT zur beruflichen Situation und den Auswirkungen einer eingeschränkten Hörfähigkeit auf das Arbeitsleben. Hier stellen wir Ihnen die Ergebnisse im Detail vor.

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Anika arbeitet in einem Baumarkt-Gartencenter in der Kundenberatung. Jeden Tag ist sie 28 000 Schritte unterwegs, hat eine Kollegin einmal ausgerechnet- und ständig im Kundenkontakt. Dabei ist sie von klein an hochgradig schwerhörig. Die Kommunikation mit den Kunden macht den Arbeitstag für sie doppelt anstrengend. Im April wurde auch sie von der Maskenpflicht ereilt. Dass man mit der neuen Herausforderung auch positiv umgehen kann, zeigt ihrfolgender Bericht.

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Diplom-Hörgeschädigtenpädagogin Uta Dörfer setzt sich bereits ihr ganzes Leben lang für die Belange schwerhöriger und ertaubter Menschen ein. Dafür soll sie, nach der Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz im Jahr 2005, nun auch mit der Margarethe-von-Witzleben-Medaille geehrt werden, der höchsten Auszeichnung des Deutschen Schwerhörigenverbandes (DSB). Hier stellen wir sieund ihre Verdienste genauer vor.

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