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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Spektrum Hören 1 / 2017

Vorwort des Vizepräsidenten des DSB e.V., Dr. Norbert Böttges

Liebe Leserinnen und Leser,

so viel Programm war noch nie! Das trifft ohne Zweifel auf die Selbsthilfetage des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) Anfang Oktober 2016 in Münster zu, bei denen den Teilnehmern und Besuchern eine Vielzahl an Themen, Vorträgen und Ausstellern geboten wurde. Lesen Sie dazu unseren Bericht auf Seite 35. Und für die, die nicht dabei waren, zeichnet sich schon ein neues Highlight ab: der internationale Kongress zu Hörtechnologie und Barrierefreiheit im kommenden Oktober in Berlin (siehe Seite 45)!

Im vorigen Oktober konnten sich Fachleute und interessierte Öffentlichkeit zudem auf dem Internationalen Hörakustiker-Kongress in Hannover über den Stand und die neuesten Entwicklungen der Hörtechnologie informieren. Es ist atemberaubend, welches immense Potenzial die Digitaltechnik in sich birgt, um Hörminderungen auch in schwierigen Situationen immer besser auszugleichen. Mit ständig neuen Ideen dringen die Entwickler tiefer und tiefer in die Geheimnisse einer adäquaten Hörverarbeitung ein. Und noch ist kein Ende dieser kreativen Entwicklung in Sicht. Im allgemeinen Teil dieser Ausgabe, Seite 24, gibt Ihnen Frank Rietsche-Richberg, Fachbereichsleiter Hörsysteme des DSB, einen umfassenden Einblick in Trends und Neuerungen.

Eines der tragenden Themen des Kongresses in Hannover war die „Höranstrengung“, die auch immer mehr zum Gegenstand von Forschung und Entwicklung wird. Denn selbst ein zu 100 Prozent wiedergewonnenes Sprachverständnis (und das ist bei aktueller Hörsystemtechnologie und einer leichtgradigen Hörbeeinträchtigung erreichbar) erfordert für hörbeeinträchtigte Menschen eine dauerhaft höhere Konzentration und führt zu schnellerer Ermüdung. Diese Höranstrengung schwerhöriger Menschen zu messen und den Ein.uss einer Hörversorgung auf Höranstrengung und Ermüdung mit Zahlen zu erfassen und zu vergleichen, ist Gegenstand der neueren Forschung. Das Thema soll uns in den folgenden Ausgaben beschäftigen.

Wenn sich die gesetzlichen Krankenkassen derzeit mit einer Überarbeitung der Kostenübernahme für Hörsysteme befassen, besteht für uns, den DSB, kein Zweifel, dass sie dabei allem voran ihre technischen Maßstäbe an die technische Entwicklung anpassen müssen. Wenn es um die „bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder“ geht, wird dabei – über das reine Sprachverständnis im Störlärm hinaus – auch das Thema der Höranstrengung eine neue und angemessene Beachtung finden müssen. Daher hat der DSB zum Stand der Technik ganz konkrete Forderungen aufgestellt, die Sie ab Seite 31 nachlesen können.

Das Jahr 2017 liegt noch frisch vor uns. Da die Politik uns eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten geschaffen hat, wird es in diesem Jahr darum gehen, die Veränderungen und Fortschritte der Gesetzgebung des vergangenen Jahres „einzufahren“. Das kommt nicht von selbst. Es ist eine neue, große Aufgabe, die aber lohnt und notwendig ist. Machen Sie mit? Wir freuen uns auf Sie!

Mit herzlichen Grüßen
Norbert Böttges
Vizepräsident des DSB

 

Sozialpolitik / Recht / Bauen

  • Hörsysteme und der Stand der Medizintechnik. Die Welt steht nicht still.

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) schicken sich an, ihr „Festbetragsgruppensystem für Hörhilfen“ neu zu überarbeiten. Nach Auffassung des Deutsche Schwerhörigenbundes kann es dabei nicht nur darum gehen, über die Höhe neuer Festbeträge zu befinden. Die Vereinbarung über die Festbeträge beinhaltet ganz wesentlich die minimalen technischen Anforderungen, die die gesetzlichen Krankenkassen an Hörsysteme stellen, deren Kosten sie übernehmen sollen. Angesichts der rasanten Entwicklung der Hösystemtechnik können die in den Jahren 2012/2013 festgelegten Kriterien heute nicht mehr als „aktueller Stand der Medizintechnik“ angesehen werden. Der folgende Artikel befasst sich mit der notwendigen Aktualisierung der Anforderungen.

Neues aus den Verbänden

  • DSB-Selbsthilfetage. Vielfältiges Engagement weiterhin gefragt

Unter dem Titel „Hören. Verstehen. Barrierefrei kommunizieren“ boten die diesjährigen Selbsthilfetage des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) 20 Fachvorträge und eine Ausstellung mit mehr als 30 Anbietern von Hilfsmitteln, Akustiklösungen, Rehabilitationseinrichtungen sowie aus Forschung und Beratung rund um das Thema Hören. Information und Diskussion über die Arbeit der Fachreferate des DSB und die Bundesversammlung des Verbandes mit der Verabschiedung einer Resolution über die Realisierung eines bundesweiten Notrufes für hörbeeinträchtigte Menschen rundeten das inhaltliche Programm ab. Für den informellen Erfahrungsaustausch sorgten zudem der Festabend und ein reichhaltiges Kulturprogramm. Die Veranstaltung lockte 300 Besucher nach Münster.

  • Audiometer-Spende für die DSB-HörMobil-Tour

Der Deutsche Schwerhörigenbund setzt sich dafür ein, die Bevölkerung für das Thema Schwerhörigkeit zu sensibilisieren. Dazu braucht es verschiedene Ressourcen; neben ehrenamtlichem Engagement sind auch immer wieder Anschaffungen nötig, die bei vielen gemeinnützigen Organisationen die Kasse stark strapazieren würden. Umso schöner ist es dann, wenn, wie in diesem Fall, ein Unternehmen das benötigte Gerät spendet und so die Ressourcen des Vereins direkt in die Umsetzung der Projekte fließen können.

  • 100. Todestag von Margarethe von Witzleben. Ehrung in Berlin

Am 01. Februar 2017 jährt sich der 100. Todestag von Margarethe von Witzleben, die im Jahr 1901 in Berlin erstmals eine Zusammenkunft für hörbeeinträchtigte Menschen organisierte. Damit leitete sie den Beginn der weltweiten Schwerhörigenselbsthilfebewegung ein.

Teilhabe / Rehabilitation

  • Weiterhin Fehlanzeige. Noch immer kein barrierefreier Notruf für hörbeeinträchtigte Menschen

Was hat der Mensch heutzutage nicht alles für Möglichkeiten! Er kann reisen, wohin er möchte und mit dem Auto von einem Ort zum nächsten fahren. Ja, er hat es sogar schon vollbracht, seinen Fußabdruck auf dem Mond zu hinterlassen, mit – im Vergleich zu heute – doch recht einfachen technischen Mitteln. Heute ist die Technik weit fortgeschritten. Die Kommunikation zwischen Menschen ist dank Geräten wie beispielsweise Handys, Smartphones und Tablets sehr einfach geworden. Die Digitalisierung macht heute viele Dinge leichter und zum Teil auch erst möglich. Dies gilt jedoch leider nicht für alle Menschen: Die etwa 5,4 Millionen Schwerhörigen1 und gut 80 000 Gehörlosen in Deutschland sind trotz der Technik oft von der Kommunikation ausgeschlossen.

  • Fünf Tage durch Ungarn – ohne Hörbarrieren

Budapest hat nicht nur berühmte Söhne und Töchter, wie den Satiriker Ephraim Kishon, den richtungsweisenden Theodor Herzl oder die Schauspielerin Zsa Zsa Gabor, sondern auch das Organisationsgenie Margit Gamberoni. Diese leitete unsere hörbeeinträchtigtengerechte Reise vom 03. bis 08. September 2016 durch Ungarn, die vom bayerischen Cochlea-Implantat-Verband veranstaltet wurde.

Termine / Veranstaltungen

  • Hörakustiker des Jahres gesucht

Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung gehören Hörakustiker zu den zentralen Ansprechpersonen und im Idealfall entwickelt sich über die Jahre ein enges Vertrauensverhältnis. Unter den Akustikern gibt es immer wieder Personen, die sich mit besonderem Engagement und Einfühlungsvermögen für die Belange ihrer Kunden einsetzen. Für sie hat sich die Firma Rayovac zusammen mit der Fachzeitschrift „Audio Infos“ und dem europäischen Verband der Hörgerätehersteller (EHIMA) eine besondere Auszeichnung ausgedacht: den „Hörakustiker des Jahres“. Der Wettbewerb findet in diesem Jahr zum neunten Mal statt.

  • Vorankündigung 2017: 4. Internationaler Kongress zu Hörtechnologie und Barriere freiheit in Berlin

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus: Vier Jahre nach dem letzten Kongress über Hörtechnologie in Eastbourne (England) lädt der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) vom 06. bis 08. Oktober 2017 nach Berlin ein. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Schwerhörigenverband IFHOH wird die 4. Internationale „Hearing Loops and Accessibility Conference“ in Deutschland veranstaltet.

  • Burn-out-Seminar: Von der mentalen Erschöpfung zur seelischen Balance

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Update: 16.01.2017