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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Spektrum Hören 2 / 2016

  • Vorwort des Vizepräsidenten des DSB e.V., Dr. Norbert Böttges

Lieber Leserinnen und Leser!

im vorigen März hat der Deutsche Bundestag das "Quotengesetz" beschlossen. Darin heißt es: "Bei börsennotierten Gesellschaften (...) setzt sich der Aufsichtsrat zu mindestens 30 Prozent aus Frauen und zu mindestens 30 Prozent aus Männern zusammen." Stellen Sie sich nun vor, dass auf diese Regelung der Satz folgte: "Dies gilt nur für solche Gesellschaften, die mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand sind." – Da wäre aber ein ungläubiges Staunen durch unser Land gezogen! Die Autoren des Gesetzes wären in der Luft zerrissen worden, und eine Mehrheit im Bundestag hätte es dafür mit Sicherheit nicht gegeben.

Genau in dieser Situation befinden wir uns jetzt aber mit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG). Vom Titel her erweckt dieses Gesetz den Eindruck, als wolle es umfassend die Rechte von Menschen mit Behinderungen regeln. Auf den ersten Blick enthält es auch wichtige Definitionen und Bestimmungen: Rechte der Betroffenen und Verpflichtungen, etwa zur Gewährleistung der Barrierefreiheit oder zur Bereitstellung von Kommunikationshilfen. Man muss schon etwas intensiver hinsehen, um den "kleinen Haken" an der Sache zu entdecken: Das BGG gilt nur für die Bundesbehörden! Über Verpflichtungen privater Anbieter von Veranstaltungen und Leistungen sagt das Gesetz nichts aus.

Die erste Fassung des BGG wurde im Jahr 2002 verabschiedet. Im Jahr 2016 steht seine Novellierung an. Am grundsätzlichen Webfehler – der Aussparung der Privaten – wird sich dabei leider nichts ändern. Lesen Sie über die geplanten Änderungen ab Seite 21 in dieser Ausgabe von "Spektrum Hören". In weiteren Beiträgen erfahren Sie Neues über Drahtlostechnik und die Bestimmungen für die Einmessung von Induktiven Höranlagen sowie Nachrichten aus dem Deutschen Schwerhörigenbund (DSB). Außerdem informieren wir Sie über unser Seminar programm 2016.

Zu guter Letzt entdecken Sie unter diesem Vorwort nun (m)ein neues Gesicht. Im vorigen Oktober wurde ich in das Präsidium des DSB gewählt, wo ich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig bin. Von meinem Werdegang bin ich Physiker und Volkswirt, außerdem "spätertaubt". Meine Hörminderung begann mit meinem 35. Lebensjahr. Nach einer 20-jährigen stetigen Abwärtsentwicklung war mein Leidensdruck schließlich so groß, dass ich mich zur beidseitigen CI-Implantation entschloss. Seitdem bin ich kommunikativ wieder ganz passabel aufgestellt...

Ich danke meiner Vorgängerin Renate Welter für die gut bestellte Stube, die sie mir hinterlässt, und freue mich darauf, Sie ab heute durch unsere Themen und Ausgaben führen zu dürfen.

Norbert Böttges
Verantwortlicher Öffentlichkeitsarbeit des DSB

Sozialpolitik / Recht / Bauen

  • Behindertengleichstellungsgesetz in entscheidender Phase

Mit der Anhörung der Verbände am 9. Dezember 2015 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die entscheidende Phase für die Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) eingeläutet. Grundlage der Anhörung war ein Entwurf des Ministeriums, dessen Wortlaut zuvor mit den anderen Ministerien abgestimmt wurde. Jetzt wird geprüft, welche Änderungswünsche der Verbände noch berücksichtigt werden können. Der Entwurf soll dann im Frühjahr im Kabinett verabschiedet und anschließend in den Bundestag eingebracht werden.

Der DSB hat zum Referentenentwurf eine Stellungnahme verfasst, den Sie auf dessen Internetseite www.schwerhoerigen-netz.de herunterladen können. Den Referentenentwurf selbst finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: www.bmas.de

  • Die neuen Fachreferate im DSB

Ines Helke ist Diplom-Sozialpädagogin und Jugendleiterin in der Kinder- und Jugendgruppe des Bundes der Schwerhörigen in Hamburg. Seit Ende 2015 leitet sie das Fachreferat Jugend, Familie und Arbeit im Bundesverband des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB).

Neues aus den Verbänden

  • Erfolgsprojekt: 10 Jahre DSB-HörMobil-Tour

Die DSB-HörMobil-Tour hat in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Denn 2006 ging das HörMobil zum ersten Mal an den Start und hat nun in zehn Jahren bundesweit 480 Aktionen absolviert. In Fußgängerzonen, auf Messen und Kongressen sowie bei Themenveranstaltungen vor Kliniken und Krankenhäusern erreichte das HörMobil über 580.000 hörbeeinträchtigte Menschen, ihre Angehörigen und andere Interessierte. Dabei wurden in rund 18.000 mobilen Hörchecks erste Aussagen getroffen, ob ein Besuch bei einem HNO-Arzt oder Hörakustiker anzuraten ist.

Teilhabe / Rehabilitation

  • Tipps und Tricks rund um die T-Spule. Drahtlos für alle.

Die Telefonspule (T-Spule) ist nicht nur bei öffentlichen Veranstaltungen für barrierefreies gutes Hören nützlich (siehe "Spektrum Hören" 6/2015). Auch im privaten Gebrauch ist sie sehr hilfreich. In diesem Beitrag haben wir für Sie zusammengestellt, wie sie im persönlichen Bereich genutzt werden kann.

  • 90 Jahre DSB-Ortsverein Dortmund

Zum Jubiläum blickte der Verein auf seine lange Geschichte zurück. Darauf wird sich aber nicht ausgeruht.

Termine / Veranstaltungen

  • Ein "Unerhört?!" guter Film

In Zusammenarbeit mit dem Apollo/Odeon Filmtheater hatte der "Treffpunkt Ohr – Verein für besseres Hören e. V." am 15. November zur Vorführung des Films "Unerhört?!" eingeladen. Der Film portraitiert vier Menschen, die ein Leben mit Hörminderung führen und dabei nicht nur mit ganz individuellen Problemen kämpfen, sondern auch ganz individuelle Wege gefunden haben, um mit der Beeinträchtigung umzugehen.

  • DSB-Veranstaltungskalender

Die ersten Termine für dieses Jahr sind inzwischen festgelegt. Der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. (DSB) freut sich über die rege Teilnahme.

  • Kommunikationsstrategien erlernen

Wochenendseminar "Kommunikations- und Bewältigungsstrategien für Menschen mit Hörminderungen", vom 27. bis 29. Mai 2016 in Berlin.


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Update: 02.03.2016