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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Spektrum Hören 5 / 2016

  • Vorwort des Vizepräsidenten des DSB e.V., Dr. Norbert Böttges

Lieber Leserinnen und Leser,

mein Chef nimmt großen Anteil an meiner Hörschädigung. Und auch an meinem ehrenamtlichen Einsatz im Deutschen Schwerhörigenbund. Wenn er sich dabei regelmäßig nach meiner Arbeit im "Verband der Gehörlosen" erkundigt, sehe ich ihm das gerne nach. Für mich zählen seine Achtsamkeit und seine Unterstützung.

Weniger "amused" war ich, als sich vor wenigen Wochen ein bekannter Sozialpolitiker und behindertenpolitischer Sprecher seiner Partei in diesem Netz ver.ng. Die Diskussion betraf das Bundesteilhabegesetz. Ein Zuschauer plädierte für die Sache der Schwerhörigen und forderte, dass auch hörtechnische Anlagen und die Unterstützung durch Schriftdolmetscher in das Gesetz Einzug halten sollten. Das gri. der Politiker wendig auf: Ja, auch er bedauere, dass die Interessen der Gehörlosen und ihr Bedarf an Gebärdensprachdolmetschern bisher zu wenig berücksichtigt worden seien.

Das tat weh. Umso mehr, als mir die übrigen Aussagen dieses Politikers ausgesprochen sympathisch waren. Ich musste das richtig stellen. Leider ist es aber so, dass selbst unter Fachpolitikern nach wie vor die Gleichsetzung von hörgeschädigt = gehörlos = Gebärdensprache vorherrscht.

Und jetzt also auch bei uns ... In unserer vorigen Ausgabe haben wir im Beitrag "Gemeinsam die Spitze erreichen" die Worte "schwerhörig" durch "hörbeeinträchtigt" und "ertaubt" durch "gehörlos" ersetzt. Das geschah aus Überlegungen der politischen Korrektheit – war aber sachlich schlicht falsch. "Ertaubte" Menschen sprechen die normale Lautsprache, als "gehörlos" bezeichnen wir die gebärdensprachlich kommunizierenden Menschen der Gehörlosengemeinschaft. Beide Gruppen haben ganz unterschiedliche Anforderungen an die Barrierefreiheit und Teilhabe. Unser Autor, Stephan Wilke, hat zu Recht protestiert. Wir bitten um Entschuldigung für die Verwirrung, die durch diese Ersetzung erfolgt ist.

Ein bisschen sind wir Hörgeschädigten an diesem Verwirrspiel selbst schuld. Wie legen wir die Worte doch auf die Goldwaage! "Schwerhörig" möchte kaum jemand sein. "Hörbehindert" nicht, "hörgeschädigt" auch nicht. Der tollste Euphemismus in diesem Zusammenhang ist der Begri. "hörgemindert". Was haben es die Angelsachsen da einfach: Für sie sind gehörlose Menschen nach wie vor "deaf" ("taub"), die schwerhörigen "hard of hearing" ("schwerhörig"). Und im täglichen Umgang nennen sich dann alle irgendwie "deaf". Das geht, in Amerika. Weil dort eine Behinderung kein Makel ist, sondern eine Herausforderung. Für die Betro.enen und ihre Mitwelt. Das ist gelebte Inklusion. Genau in diesem Punkt haben wir in Deutschland wohl noch viel Nachholbedarf.

Mit herzlichen Grüßen
Norbert Böttges
Vizepräsident des DSB

Sozialpolitik / Recht / Bauen

  • Sozialpolitik in Bund und Land: Chronik der laufenden Ereignisse

Im kommenden Jahr wird im Bund und in Nordrhein-Westfalen neu gewählt. Zeit für die jeweiligen Regierungen, die Erfolge ihrer Arbeit in den ablaufenden Legislaturperioden einzusammeln. In diesem Jahr hagelt es nur so vor Anhörungen, Referentenentwürfen, Fristen zur Stellungnahme, Verabschiedungen durch die jeweiligen Regierungskabinette und Parlamentsbeschlüssen. Gut, dass der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) mit Andreas Kammerbauer seit April wieder einen sozialpolitischen Referenten beschäftigt. Im Folgenden geben wir einen kleinen Einblick in die Chronik der laufenden Ereignisse.

Teilhabe / Rehabilitation

  • Wie bekomme ich eine Lichtsignalanlage?

Ist das Hörvermögen stark beeinträchtigt, hilft unterstützende Technik wie eine Lichtsignalanlage, auf Signale wie Türklingel, Telefon, Babyweinen oder Rauchmelder zuverlässig aufmerksam zu machen. In diesem Beitrag wird die Technik vorgestellt sowie erläutert, in welchen Fällen die Krankenversicherung die Kosten übernimmt und wie die Zusatztechnik beantragt wird.

  • Wie finde ich "meine" CI-Klinik?

Dank der großen medizinischen Fortschritte kann das Cochlea-Implantat (CI) heute als eine Standardtherapie für Patienten mit hochgradiger Schwerhörigkeit und Taubheit angesehen werden. Angesichts des stark gestiegenen Bedarfes bieten inzwischen immer mehr Kliniken die CI-Implantation an. Viele Patienten fragen sich deshalb: Welches ist die richtige Klinik für mich? Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren(HNO)-Heilkunde, Kopf und Halschirurgie enthält Hinweise auf die Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche CI-Versorgung erfüllt sein müssen. Im Folgenden gibt der Mitautor der Leitlinie, Professor Dr. med. Thomas Lenarz, einen auch für interessierte Laien verständlichen Überblick über die darin enthaltenen Kriterien für eine "gute" CI-Klinik.

  • Schwer hören ist nicht nur eine Frage des Alters

Schwerhörigkeit ist in allen Altersgruppen ein ungeliebtes Thema. Gerade für ältere Menschen spielt die zwischenmenschliche Kommunikation jedoch eine besonders wichtige Rolle. Ist die tägliche Kommunikation beeinträchtigt, kann das zu einer wesentlichen Reduktion der Lebensqualität bis hin zu Isolation und Depression führen. Im Folgenden dokumentiert Jutta Kraus, die Leiterin des DSB-Fachreferates Senioren, Patienten, Pflege, eine Podiumsveranstaltung zu diesem Thema auf dem 11. Deutschen Seniorentag. Referent war Jochen Müller, Lebensberater und Kommunikationstrainer für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.

  • Sesam öffne dich in Amerika

In Sachen Inklusion und Offenheit können sich viele Länder noch eine dicke Scheibe von Amerika abschneiden. Das erlebte unsere Autorin Irmgard Schauffler bei einer Reise in die US-Hauptstadt Washington. Sobald sie bekannte "I‘m deaf " ("Ich bin schwerhörig"), erfuhr sie eine überwältigende Hilfsbereitschaft.

  • Freier Zugang zum Wort Gottes gefordert

Zentrales Anliegen des Deutschen Schwerhörigenbundes ist die Teilhabe von Menschen mit Höreinschränkungen am öffentlichen und privaten Leben. Der Runde Tisch barrierefreie Kirchen in Hessen, veranstaltet vom DSB-Landesverband Hessen, hat am 28. Mai 2016 in Frankfurt/Main einen Aufruf verabschiedet, den wir im Folgenden in leicht gekürzter Form wiedergeben. Darin werden barrierefreie Kirchen für hörbeeinträchtigte Personen gefordert.

  • Aufklärung tut not

Das Interesse war groß: Viele Besucher kamen zur "Aktionswoche Hören" nach Wetter, einer im östlichen Ruhrgebiet zwischen Dortmund, Bochum und Hagen gelegenen Stadt. Dort sitzt das Nordrhein-Westfalen(NRW)-weit aktive Forschungsinstitut Technologie und Behinderung (FTB) der Evangelischen Stiftung Volmarstein. In Kooperation mit die - sem Institut hatte der NRW-Landesverband des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) die "Aktionswoche Hören" organisiert – und damit ein breites Publikum angesprochen.

Termine / Veranstaltungen

  • Erkenntnisreiche Vorträge

Anna Maria Koolwaay (Foto) war maßgebliche Mitorganisatorin der Aktionswoche Hören aufseiten des DSB. Hier fasst sie die Inhalte der Vorträge zusammen.

  • Mit neuen Erkenntnisse und Motivation zur gelingenden Kommunikation

Sich mit dem eigenen Hörverlust und dessen Folgen auseinanderzusetzen, ist das eine. Proaktive Lösungen für das alltägliche Leben mit einer Schwerhörigkeit zu finden, etwas ganz anderes. Und genau darum ging es in dem dreitätigen Selbsthilfeseminar "Kommunikations- und Bewältigungsstrategien für Menschen mit Hörminderung" des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) vom 27. bis 29. Mai in Berlin. Im Folgenden berichtet die Seminarleiterin Jana Verheyen über den Inhalt und die Ergebnisse des Seminars.

  • Zum Jubiläum dreht sich alles um die Liebe

Vom 17. bis zum 19. Juni fand in Paderborn zum 15. Mal das Literaturseminar für Menschen mit Hörbeeinträchtigung statt. Heinz Lemmen, Mitglied der Selbsthilfegruppe für Schwerhörige in Paderborn und des Cochlea-Implantat(CI)-Verbandes Nordrhein- Westfalen (NRW), hat es zusammen mit seiner Frau Christel im Jahr 2002 ins Leben gerufen. Seitdem treffen sich literaturinteressierte "Schlappohren" Jahr für Jahr mit wechselnden Themen zum hörbarrierefreien Literatur- und Erfahrungsaustausch.

Freizeit & Sportn

  • Gut informiert - selbstbestimmt leben

"Selbstbestimmt leben" lautet das Generalthema der "Rehacare International". Die Messe findet in diesem Jahr vom 28. September bis zum 1. Oktober in Düsseldorf statt.

Familie & Freunde

  • Die Chancen bilingualer Frühförderung

Andrea Treiber ist zunächst geschockt, als sie die Diagnose erhält, dass ihr zweijähriger Sohn Timo nahezu gehörlos ist. Er hatte somit keine Möglichkeit mehr, Sprechen zu lernen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen mit verschiedenen Formen der Förderung. Dabei reflektiert sie auch kritisch deren Nutzen auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen. Als pädagogische Fachkraft informiert sie zudem über die verschiedenen Möglichkeiten von Frühförderung sowie die Chancen, die eine bilinguale, also zweisprachige Frühförderung bieten kann.

  • Wie gelingt die bestmögliche Inklusion im Unterricht?

Im Zuge der Inklusion wird oft die Verwendung der Gebärdensprache gefordert. Es gibt aber nicht nur die eine Gebärdensprache, die allen hörbeeinträchtigten Menschen zur Inklusion in die Gemeinschaft verhilft. In diesem Beitrag möchte Rolf Erdmann das Wirrwarr der Begriffe auflösen und eine Diskussion bezüglich der Verwendung von Gebärden im Unterricht anstoßen. Er plädiert für individuelle, statt universelle Regelungen – ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.


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Update: 08.08.2016