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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.

Konsensus zum internationalen Versorgungsstandard

Bisher gab es keine internationalen Richtlinien zur Versorgung erwachsener Menschen mit Cochlea-Implantaten und die länderspezifischen Richtlinien sind unterschiedlich, was weltweit zu unterschiedlichen Zugangsniveaus führt und eine Unterversorgung hervorruft.  Ohne klinische Standardrichtlinien erhalten Personen, die von einem Cochlea-Implantat profitieren können, möglicherweise kein Implantat.

Eine internationale Gruppe von Experten auf den Gebieten Otologie, Audiologie und Hörwissenschaft hat sich im Jahr 2019 zu einem Delphi-Gremium zusammengeschlossen und einen Konsens vereinbart, um einen weltweit einheitlichen Versorgungsstandard  zu erreichen. Dieses Konsens-Papier  wurde am 27.08.2020 veröffentlicht.

Hörverlust ist eine der weltweit führenden Ursachen für Behinderungen.

Obwohl Hörgeräte für viele Menschen mit Hörverlust eine wirksame Hilfe darstellen, erhalten diejenigen, die von einem bilateralen schweren oder mittelschweren sensorischen Hörverlust (SNHL) betroffen sind, möglicherweise keinen ausreichenden Nutzen von Hörgeräten. Für diese Personen sind Cochlea-Implantate eine Behandlungsoption. Viele Erwachsene mit diesem Hörverlust erhalten aber keine Cochlea-Implantate, obwohl sie davon profitieren würden.

Schätzungen zufolge hat nicht mehr als einer von 20 Erwachsenen, die von einem Cochlea-Implantat profitieren könnten, eines. Eine Unterversorgung führt zu einer erheblichen unnötigen Belastung des hörbeeinträchtigen Menschen, was zu einer schlechteren Lebensqualität führt. Dies kann auch wirtschaftliche und soziale Konsequenzen haben. Es gibt viele Gründe, die zu dieser Unterversorgung beitragen, darunter ein geringes Bewusstsein für die Vorteile von Cochlea-Implantaten bei Angehörigen der Gesundheitsberufe und selbst betroffenen Personen sowie das Fehlen spezifischer Überweisungswege.

Die Konsenserklärungen enthalten Empfehlungen zu sieben Schlüsselbereichen:

1.    Bewusstseinsbildung für Cochlea-Implantate

2.    Best Practice: Weg zur Diagnose

3.    Best-Practice-Richtlinien für die Operation

4.    Klinische Wirksamkeit von Cochlea-Implantaten

5.    Faktoren im Zusammenhang mit den Ergebnissen nach der Implantation

6.    Zusammenhang zwischen Hörverlust und Depression, Kognition und Demenz

7.    Kostenauswirkungen von Cochlea-Implantaten

Es wurden zwanzig Konsenserklärungen  vom Delphi-Gremium vereinbart und gebilligt.

Die Veröffentlichung der Konsenserklärungen ist der erste Schritt auf dem Weg zur Entwicklung bewährter klinischer Leitlinien. Das Delphi-Gremium und ein Ausschuss für Verbraucher- und Berufsvertretung (CAPAC) werden sich dafür einsetzen, dass die Konsenserklärungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene gebilligt werden, um den Zugang und die beste klinische Praxis für die Versorgung mit Cochlea-Implantaten zu verbessern.

Der Delphi-Konsensprozess wurde von einem nicht stimmberechtigten Vorsitzenden, Dr. Craig Buchman, Leiter der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Washington University School of Medicine, USA, geleitet.

Der Vorsitz wurde von vier stimmberechtigten Mitgliedern des Lenkungsausschusses unterstützt:

    Professor René Gifford, Vanderbilt University, Nashville, USA

    Dr. David Haynes, Vanderbilt University, Nashville, USA

    Professor Thomas Lenarz, Medizinische Universität Hannover

    Professor Gerard O’Donoghue, Universität Nottingham, Großbritannien

Das Delphi-Gremium umfasste weitere 26 Experten.

Darüber hinaus war ein CAPAC(*) aus Vertretern internationaler Cochlea-Implantat-Anwender und professioneller Interessenvertretungsorganisationen an der Entwicklung der Konsenserklärungen beteiligt. Das CAPAC wurde gegründet, um sicherzustellen, dass die Stimme der Patienten im Konsensprozess berücksichtigt wird.

(*) CAPAC = Consumer and Professional Advocacy Committee

Interview  mit Dr. Harald Seidler, Co-Vorsitzender der CAPAC und verantwortlich für die Umsetzung des Konsensus in Europa.

Workshop am 15. Oktober 2020 mit Dr. Seidler und anderen Verantwortlichen des CAPAC.

Interview mit Dr. Harald Seidler für Spektrum Hören im Oktober 2020.

Ansprechpartnerin:
Renate Welter
renate.welter(@)schwerhoerigen-netz.de 
Update: 29. Oktober 2020
Kurzadresse für diese Seite:
www.schwerhoerigen-netz.de/ci-versorgung-konsensus