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Deutscher Schwerhörigenbund e. V.
Foto von links nach rechts: Norbert Merschieve (DSB-Prüfungskommission) Birgit Nofftz (Schriftdolmetscherin) Renate Welter (Vorsitzende der DSB-Prüfungskommission) Cornelia Krajewski (Schriftdolmetscherin) Monika Widners (DSB-Prüfungskommission) Gisela Kaul (DSB-Prüfungskommission) Marcel Karthäuser (DSB-Prüfungskommission)

Erste bundesweite Schriftdolmetscherprüfung

Wie berichtet hat der im DSB unter der Leitung von Vizepräsidentin Renate Welter eingerichtete Fachbeirat Kommunikationshilfen im Jahr 2006 einheitliche Prüfungsordnungen für Schriftdolmetscher aller in Deutschland vom DSB anerkannten Techniken (konventionelle Textverarbeitung, Maschinenstenografie, Spracherkennung) erarbeitet. Das DSB-Präsidium hat die Prüfungsordnungen auf seiner Sitzung am 10.06.2006 verabschiedet.

Außerdem hat das Präsidium im Jahr 2006 eine Prüfungskommission bestellt, die in den Jahren 2007 und 2008 die DSB-Schriftdolmetscherprüfungen ausrichten soll. Die Prüfungskommission besteht aus 5 Mitgliedern:

  • Renate Welter (Vorsitzende der DSB-Prüfungskommission)
  • Marcel Karthäuser (Ausbildungsleitung Baden-Wüttemberg)
  • Norbert Merschieve (Ausbildungsleitung Nordrhein-Westfalen)
  • Gisela Kaul (DSB-zertifizierte Schriftdolmetscherin)
  • Monika Widners (DSB-zertifizierte Schriftdolmetscherin)

Am 16.06.2007 war es nach langen Vorbereitungsarbeiten soweit, dass die erste bundesweite Schriftdolmetscherprüfung in Essen durchgeführt werden konnte.

Im Mittelpunkt steht der Prüfungsteil "Live-Mitschrift". Hier geht es darum, dass 20 Minuten lang live ein Gespräch mitgeschrieben wird. Konventionelle Schriftdolmetscher müssen mindestens 65% und Sprachschriftdolmetscher mindestens 90% des gesprochenen Textes erfassen. Dabei wird auch die Verständlichkeit des erfassten Textes ausgewertet. Der Sinn darf durch die ausgelassenen Anteile nicht verfälscht werden, d.h. in der Praxis dürfen nur nicht Verständnis beeinträchtigende Füllwörter fehlen.

Darüber hinaus wird auch der Technik-Aufbau geprüft, d.h. es wird bewertet wie schnell der Schriftdolmetscher mit seiner Ausrüstung (Laptop, Tastatur, Beamer) einsatzfähig ist. Von der Live-Mitschrift ist ein Protokoll anzufertigen, dass auf inhaltliche, orthografische, grammatische und stilistische Fehlerfreiheit geprüft wird. Falsch geschriebene Namen werden ebenfalls als Fehler gewertet.

Ein spannender Moment bei den Prüfungen ist auch das so genannte Dolmetschsetting, eine exemplarische Durchführung der Kontaktaufnahme mit einem Hörgeschädigten vor einer Dolmetschsituation. Bei der Prüfung am 16.06.07 wurde die Situation nachgestellt, in der ein Hörbehinderter zu einem Arzttermin einen Schriftdolmetscher bestellt hat. Wesentliche Entscheidungskriterien beim Dolmetschsetting sind, wie der Schriftdolmetscher die Kommunikationssituation mit dem Hörgeschädigten bewältigt, bevor er seine Technik zum Einsatz bringen kann, wie er Absprachen mit ihm trifft, und konkret bei der Arztsituation in diesem Beispiel wie er ihn bei der Anmeldung im Vorzimmer des Arztes unterstützt hat und ob seine Technik (Laptop, Tastatur) beim Arztgespräch unter Berücksichtigung des Raumwechsels einsatzbereit war. Denn darauf kommt es ja schließlich an!

Letzte Hürde der Prüfungen ist schließlich eine Hausarbeit, mit der das Grundlagenwissen der Schriftdolmetscher über hörgeschädigte Menschen überprüft werden soll.

Es zeigte sich, dass die Prüfungsanforderungen den Absolventen einen hohen Qualitätsstandard abverlangen, denn nur 2 von 5 Teilnehmern konnten die Anforderungen auf Anhieb erfüllen und die Prüfung bestehen:

  • Birgit Nofftz - erste deutsche Sprachschriftdolmetscherin
  • Cornelia Krajewski - langjährige Schriftdolmetscherin mittels konventioneller Textverarbeitung in NRW

Der DSB gratuliert den beiden Absolventen ganz herzlich und wünscht viel Erfolg für die weitere Arbeit mit hörgeschädigten Menschen.

Am 02.11.2007 steht die 2. bundesweite Schriftdolmetscherprüfung an.

Renate Welter
DSB-Vizepräsidentin

Update: 03.11.2007